Sonntag, 27. März 2016

Sportwoche Teil 1: Der Weg ist das Ziel

Diese Woche wird es sportlich hier auf „Style Up Petite“. Es geht eine Woche lang rund um das Thema Laufen. Den Anfang mache ich heute, indem ich euch erzähle, wie ich zum Laufen kam. Das Ganze hat eine – für mich leider nicht so schöne – Vorgeschichte, aber lest selbst.
Ich versuche auch, mich kurz zu halten ;) ...

Vor einigen Jahren plagten mich schreckliche Herzrythmusstörungen. Ich hatte nicht nur das Gefühl, dass mein Herz ständig raste, sondern auch, dass es komplett aus dem Takt geraten war. Es schlug mal ganz ruhig, mal wie verrückt, mal stolperte es so vor sich hin. Jetzt bin ich eher ein besorgter und ängstlicher Mensch und so saß ich auch relativ schnell beim Arzt. Der Arzt untersuchte mich eingehend mit EKG, Langzeit EKG, Herzultraschall usw., konnte aber nichts Auffälliges feststellen, so dass er mich erst einmal beruhigen konnte. Doch die Beruhigung hielt nicht lange an. Die Beschwerden kamen nach dem Arztbesuch schnell wieder, wurden immer schlimmer und mein Angst immer größer. So kam es wie es kommen musste, ich rannte von einem Arzt zum nächsten und zum nächsten und so weiter. Ich war sicher, ganz schlimm krank zu sein und irgendjemand musste doch kompetent genug sein, um das zu erkennen. Doch immer das gleiche Ergebnis: gesund! 

Irgendwann bin ich dann im Krankenhaus beim Kardiologen gelandet. Und dieser Mann hat sich ganz viel Zeit für mich genommen. Nachdem er die EKG-Auswertung vor sich liegen hatte, hat er mir erklärt, warum die Extraschläge im Herzen entstehen und dass ich mir das nicht einbilden würde. Er sagte auch, dass es kein krankhafter Befund sei, aber ich würde es zu einem machen. Wir unterhielten uns lange und endlich hatte ich das Gefühl, dass da jemand war, der das ernst nahm, was ich vorzubringen hatte. Am Ende des Gespräches sagte mir der Arzt, ich solle unbedingt etwas tun, was mein Herz belaste, damit ich wieder Vertrauen in meinen Körper bekäme.  Er empfahl das Laufen. Und weil ich so skeptisch war, wurde noch ein Sporttest durchgeführt. Ich musste ab auf’s Fahrrad und unter ärztlicher Aufsicht strampeln. Mein Puls ging ganz schön in die Höhe, aber in Anwesenheit des Arztes fühlte ich mich sicher. Der Arzt gab grünes Licht für das Training und ich versprach, ihn über meine Fortschritte auf dem Laufenden zu halten. 

Bis ich aber dann tatsächlich ans Laufen kam, vergingen noch viele Monate. Ich traute dem Ganzen irgendwie noch nicht und hatte Angst, mich körperlich zu belasten.
Eines Tages begann ich aufgrund von Rückenproblemen  mit einem Training im Fitness-Studio. Vor dem Training sollte ich mich aufwärmen. Ich wählte das Laufband und ging darauf ca. fünf Minuten. Mehr traute ich mich nicht. Aber dann irgendwann, als ich alle anderen darauf joggen sah, wollte ich das auch. Daher habe ich angefangen, zu trainieren. Zuerst: 1 Minute Joggen, 1 Minute Gehen. Die Abstände des Joggens habe ich dann von Woche zu Woche erhöht, so dass ich am Schluss 30 Minuten Joggen konnte. Und das ohne Herzstolpern, Herzrasen oder sonstigem. 

Doch im Studio war es auch einfach für mich, da war schließlich geschultes Personal und einen Defibrilator hatten sie auch irgendwo in der Ecke. Da fühlte ich mich sicher. Im Notfall war ja jemand da, der eingreifen konnte. Aber ich merkte, dass ich diese ständige Sorge einfach nicht mehr ertragen konnte und wollte und so wagte ich mich in den Wald. Zuerst bin ich nur ganz wenig gejoggt und ganz viel gegangen. Aber dann habe ich es wie auf dem Laufband gemacht und die Abstände des Joggens immer weiter verlängert.
Ich kann euch sagen, den Tag, an dem ich meine erste Runde von 3,5 km durchgängig gejoggt bin, werde ich niemals vergessen. Ich war so stolz und vor Freude liefen mir die Tränen über das Gesicht. Dann habe ich sofort meinen Mann angerufen und ihm davon erzählt. Er hat sich sooo mit mir gefreut! Und als er am Abend nach Hause kam, hat er mir etwas überreicht: Einen Pokal! Der soll mich an meinen „Sieg“ erinnern. Ich war total gerührt und seit dem steht dieser Pokal gut sichtbar in meinem Schlafzimmer und erinnert mich ständig daran, nicht aufzugeben! 

                   „Wer kämpft, kann verlieren! Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“

ist mein Motto. Danach versuche ich, zu leben. Meine Herzbeschwerden sind zwar nicht weg, aber ich spüre sie nur noch selten. Der Sport hat auf jeden Fall einen großen Teil dazu beigetragen. Mir ist es nicht wichtig, sportliche Erfolge zu feiern, dafür laufe ich viel zu langsam. Aber so in Ruhe durch den Wald zu traben, nicht zu reden, nicht zuzuhören und ganz bei mir zu sein, ist herrlich. Mittlerweile laufe ich ca. dreimal die Woche fünf Kilometer. Irgendwann möchte ich gerne 10 Kilometer laufen, aber dafür setze ich mich nicht unter Druck. Denn, der Weg ist das Ziel! 

Viele liebe Grüße und einen schönen Ostersonntag für euch
Sabine







Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Sabine,
    ganz toller Post mal wieder! Er wird sicherlich einigen Lesern weiterhelfen. Ich hatte mal eine ganz ähnliche Situation mit meinem großen Sohn. Er litt jahrelang unter Magenproblemen und Kopfschmerzen. Nichts konnte festgestellt werden. Dabei spürt man irgendwie, dass etwas nicht in Ordnung ist. Zum Schluss sollte es dann die Psyche sein... Das wiederum konnte ich dann wieder ausschließen. Stress und Ärger sind für meinen Sohn nämlich absolute Fremdwörter. Nach ganz viel Rennerei kam dann raus, dass er an einer Stoffwechselstörung leidet. Naja, wenn man einiges beachtet, kann man damit gut leben. Seit der Diagnose ist auch tatsächlich nichts mehr gewesen, toi toi toi:-)
    Hut ab vor deiner Disziplin!!!
    Ganz liebe Grüße Dörte

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    1. Hallo liebe Dörte,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Wenn man selbst von irgendetwas betroffen ist, ist das schon schlimm. Wenn es aber die eigenen Kinder betrifft, finde ich es persönlich noch viel schlimmer. Ich wünsche euch, dass die Beschwerden bei deinem Sohn für immer der Vergangenheit angehören.
      Liebe Grüße
      Sabine

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  2. Guten Morgen liebe Sabine und frohe Ostern für Dich und Deine Lieben. Auch wenn der Grund, warum Du zu laufen begonnen hast, wohl kein so toller gewesen ist, ist es doch super, dass Du dazu gefunden hast. Ich werde mit dem Laufen nicht mehr warm... und quäle meinen Puls lieber mit Cardio-Einheiten. Allerdings beneide ich Dich, um die frische Luft.... :-) Du siehst mit Deinem Laufdress total professionell aus... Ganz lieber Gruß, Conny

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    1. Vielen Dank, liebe Conny.
      Mehr Schein als Sein in diesem Fall! Zu meiner Anfangszeit bin ich von so manchem Walker überholt worden ;).
      Dir und deiner Familie wünsche ich auch ein schönes Osterfest.
      Liebe Grüße
      Sabine

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  3. Liebe Sabine,
    auch ich kam durch gesundheitliche Probleme damals zum Sport. Heute kann ich nicht mehr ohne. Ich freue ich für dich, dass du nicht ernstlich krank bist. Kann aber allerdings verstehen, wenn man durch körperliche Signale verunsichert ist. Wie gut, dass du damals einen einfühlsamen Arzt gefunden hast.
    Ganz liebe Grüße und frohe Ostern, Cla

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    1. Hallo, liebe Cla!
      Ein einfühlsamer Arzt ist das A und O. Ich weiß gar nicht mehr, bei wie vielen Ärzten ich war. Mir war es hinterher schon peinlich, aber was will man machen, wenn man Angst hat. Doch zum Glück hat sich das Ganze ja zum Guten gewendet.

      Ich wünsche dir auch frohe Ostertage!
      Lieben Gruß
      Sabine

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  4. Wenn man an etwas leidet, aber kein Arzt eine Erklärung dafür findet, ist das fürchterlich - meinem Vater geht es gerade genauso. Wie gut, dass du einen Arzt gefunden hast, der dir helfen konnte. Ich liebe laufen, aber ich habe ein paar Anläufe gebraucht, um so weit zu kommen. Und jetzt heißt es abwarten, ob und wann ich wieder laufen kann. Das erste Mal auf ein Laufband darf ich in den nächsten Tagen, aber nur zum Gehen ;-)
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Lass es auf jeden Fall langsam angehen, liebe Fran. Nur nichts überstürzen. Ich drücke dir die Daumen, dass bald alles ausgeheilt ist.

      Liebe Grüße
      Sabine

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  5. A girl in good shape, I'm glad a lot. Even in such a casual look, you'll look gorgeous.

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    1. Tank you, dear Josep-Maria! Your comment is very nice, I'm happy about it. :)

      Have a nice evening
      Sabine

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  6. Liebe Sabine,

    zum Glück hast du doch noch einen kompetenten Arzt gefunden, der sich Zeit genommen hat für dich.
    Das ist so wichtig !
    Du machst das auch ganz richtig. Nicht jeder muss sportlich ambitioniert laufen. Wichtig ist ja, dass du dich mit dem Laufen besser fühlst.
    So soll es nämlich sein.

    Liebe Grüße
    Claudia
    und bis morgen dann ;-)

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    1. Danke, liebe Claudia. Wenn ich das von der Fachfrau höre, bin ich natürlich ziemlich froh.
      Die ganze Interviewsache hat übrigens sehr viel Spaß gemacht!

      Lieben Gruß
      Sabine

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  7. Wie schön, dass der Arzt Dich verstanden hat und sich mit Dir auseinandergesetzt hat. Ich freue mich vor allem für Dich, dass nun Deine Beschwerden geringer geworden sind und es Dir vor allem besser geht.
    LG
    Ari - ARI SUNSHINE

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    1. Danke schön, liebe Ari. Diese Zeit war wirklich sehr schwer und ich bin froh, dass es heute viel besser ist.

      Liebe Grüße
      Sabine

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  8. Das kommt mir ja gerade bekannt vor. Mein Herz schien einige Zeit auch ein "merkwürdiges Eigenleben" zu führen - vor allem nachts "galoppierte" es phasenweise vor sich hin. War kurz davor, zum Arzt zu gehen (das will bei mir wirklich was heißen!) und ließ dann aber als letzten Versuch den Kaffee weg. Und der war es. Sobald ich "echten" Kaffee trinke, buppert das Herz in der Nacht wieder wie blöd, manchmal auch tagsüber, und wenn ich gar keinen oder nur die Variante ohne Koffein wähle, ist alles im grünen Bereich.

    Wie gut, dass du einen Arzt gefunden hast, bei dem du dich gut aufgehoben fühltest. Und noch besser, dass du das Laufen für dich entdeckt hast. Du siehst auf den Bildern so entspannt aus, dass das wirklich genau die richtige Sportart für dich zu sein scheint. ;)

    Lieben Gruß,
    Anna

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    1. Das kenne ich gut. Koffein vertrag ich überhaupt nicht. Gelegentlich trinke ich mal eine Cola. Und die nächtlichen Galoppierereien des Herzens sind mir auch nicht unbekannt. Das kann schon ziemlich unangenehm sein und wenn man dann noch panisch reagiert...Hm, besser nicht mehr drüber nachdenken.

      Aber es tut sehr gut, wenn man verstanden wird :*

      Liebe Grüße
      Sabine

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  9. Ich finde diesen Beitrag so toll, du machst damit vielen Mut. Ich laufe auch seit drei Jahren und wenn es klappt im Mai meinen ersten Halbmarathon. Die 10 km wirst du bestimmt diesen Sommer knacken, einfach jedes Mal 5-10 Minuten länger laufen. Mich hat Instagram sehr motiviert, ein Laufbild posten und man freut sich über die ��

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    1. Vielen Dank, liebe Frau Achtsam! Ich bleibe auf jeden Fall dran und denke auch, dass die 10 Kilometer nicht mehr so unerreichbar sind.

      Für deinen Halbmarathon wünsche ich dir auf jeden Fall alles Gute. Vielleicht berichtest du dann auf Insta darüber?

      Lieben Gruß
      Sabine

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  10. Wie gut, dass Du diesen Arzt gefunden hast, der etwas gefunden hat. Diese Rennerei von Doc zu Doc und niemand findet was, kenne ich auch - äußerst zermürbend. Interessant aber, dass der Arzt meint, es sei kein Problem, nur Du würdest es zu einem machen?!? Das verstehe ich nicht so ganz.

    Jedenfalls toll, dass Du so zum Laufen gefunden hast und es so gern hast - daher auch Deine super Figur! Wow. Laufen und ich gehen leider gar nicht. Mein Sohn meinte ja mal, ich könne das auch lernen - jeder könne das, und nachdem wir zusammen ein paarmal im Wald waren, revidierte er seine Meinung in: "Du bist wahrscheinlich der einzige Mensch auf der Welt, der WIRKLICH nicht laufen kann" - na, Mahlzeit ...
    Sei stolz auf Dich - und das mit dem Pokal von Deinem Mann finde ich zuckersüß!
    LG
    Gunda

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    1. Der Arzt sagte, mein Herz sei gesund. Das wurde mir ja auch vorher schon zigfach bestätigt. Allerdings habe ich es niemandem geglaubt. Er hat dann noch gesagt, dass ich mich durch mein Verhalten in eine Patientenrolle begebe, in die ich eigentlich gar nicht gehörte. Weil es bei mir ja nichts zu behandeln gab. Zumindest nichts, was das Herz betraf. Das ist schwer zu erklären...

      Und danke für das liebe Kompliment mit der Figur :)

      Liebe Grüße
      Sabine

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