Dienstag, 29. März 2016

Sportwoche Teil 2: Das Interview

Nachdem ich euch in Teil 1 erzählt habe, wie ich selbst zum Laufen kam - hier nachzulesen -, geht es heute hier weiter es zu diesem Thema. Und ich bin ganz besonders stolz, dass ich euch jetzt meine erste Interviewpartnerin überhaupt vorstellen darf. Für den heutigen Beitrag habe ich Claudia als Expertin zum Thema Laufen um ein schriftliches Interview gebeten. Claudia ist ausgebildete Laufpädagogin und selbst passionierte Läuferin und auch sonst sehr sportlich unterwegs. Neben dem Laufen macht sie Fitness, spielt Golf und fährt Ski. Einige von euch kennen sie sicher von Instagram unter dem Namen cla62runner...

Hallo liebe Claudia! Zuerst einmal vorab meinen ganz herzlichen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.
Du bist also ausgebildete Laufpädagogin. Was genau habe ich mir darunter vorzustellen?
 

Ich habe jetzt im März eine Zwischenprüfung abgelegt und darf mich nun offiziell Laufpädagogin (DLZ ) nennen. DLZ steht für Deutsches Lauftherapiezentrum. Vorraussetzung für diese Ausbildung ist ein Psychosozialer Beruf und eigene langjährige Lauferfahrung auf Mittelstrecken und Langstrecken. Ich bin übrigens Sozialpädagogin und arbeite mit psychisch Kranken. Mein eigentliches Ziel ist der Abschluss zur Lauftherapeutin und das sollte im November diesen Jahres klappen.
Als Laufpädagogin/Lauftherapeutin werde ich anders als "normale " Lauftrainer mit absoluten lowfit Personen zu tun haben. Es geht nicht um sportlichen Ehrgeiz, sondern darum diese Menschen zu einer gesünderen und fitteren Lebensweise heranzuführen.
Das Klientel kann bunt gemischt sein oder selektiert. Z.B. Lauftherapie für Menschen mit (leichten) Depressionen nach burnout, berufl. Stress etc.,Laufen für Menschen mit Übergewicht, Asthmakranken mit körperlichen oder geistigen Behinderungen etc. Lauftherapeuten sollen sich an den Bedürfnissen und Fähigkeiten dieser Personen orientieren.
In der Broschüre der Krankenkasse Viactiv steht:
Lauftherapie was ist das?

Ein natürlicher Bewegungsablauf zur Vermeidung und Behandlung von physischen und psychischen Beeinträchtigungen.
 

Du bist selbst eine passionierte Läuferin und läufst mehrmals in der Woche. Wie lange läufst du schon und wie bist du selbst ans Laufen gekommen? 

Ich laufe noch gar nicht so lange, ca. 8 Jahre und bin erst mit Mitte 40 zum Laufen gekommen. Jetzt bin ich 53.
Meine damalige Motivation war, wieder mehr für meine eigene Fitness zu tun, nachdem mein jüngster Sohn alt genug war und auch mal ohne mich sein konnte.
Ans Laufen kam ich, weil es das Einfachste war, was ich sportlich umsetzten konnte. Einfach Schuhe an, raus zur Tür und los! Natürlich habe auch ich erstmal klein angefangen und konnte nur ganz kurze Strecken laufen und ganz langsam. Aber ich habe mich so wohl dabei gefühlt, dass ich dabei blieb. Alle anderen Sportarten, die später noch dazu kamen, sind für mich eine Ergänzung zum Laufen.



Auf Instagram habe ich gelesen, dass du bereits sieben Mal einen Halbmarathon und einen Marathon absolviert hast. Was spornt dich an und wie bereitest du dich darauf vor?

Irgendwann war bei mir dann auch mal der sportliche Ehrgeiz geweckt.
Ich habe alles verschlungen, was ich zum Thema laufen finden konnte und wollte dann einfach mal ausprobieren, wie es ist, ein offizielles Rennen zu laufen.
Mein 1. offizieller Wettkampf war ein Halbmarathon. Zu dem Zeitpunkt konnte ich aber natürlich schon locker eine Stunde durchlaufen.
Zu diesem 1. Wettkampf habe ich mir natürlich einen Trainingsplan zusammengestellt und mich an den Plänen von Herbert Steffny (das große Laufbuch) orientiert.
Der erste HM ist und bleibt bisher mein schönster Wettkampf! Ich habe problemlos mein Ziel erreicht und war hinterher so stolz auf mich. Irgendwann wurde der Ehrgeiz größer und ich wollte meine Zeiten verbessern und dann kam der Wunsch dazu: Jetzt muss es auch mal ein Marathon sein. Mit 52 im letzten Jahr habe ich mir diesen Wunsch erfüllt.


Wenn jetzt jemand zu dir kommt, der völlig untrainiert ist, aber unbedingt Joggen möchte. Was rätst du ihm, wie er vorgehen sollte? Vorher zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen? 
Ja, das würde ich schon empfehlen. Natürlich bleibt dies letztlich jedem selbst überlassen. Ich habe dies damals nicht gemacht als ich angefangen habe zu joggen. Bin aber gesund, ohne irgendwelche Vorbelastungen.
In der Lauftherapie ist dies aber ein Muss. Jede/r Teilnehmer/in muss eine ärztliche Bescheinigung vorweisen.



Und wenn der Arzt keine Einwände hat, wie startet derjenige dann das Laufprogramm? Wie oft sollte man trainieren und wie lange? 

Die Erfolgsdevise lautet:

Öfter - Länger - Intensiver
In dieser Reihenfolge.

Zunächst startet man mit laufen und gehen im Wechsel. In der Lauftherapie in der 1. Woche 1 Min. laufen/ 1. Min. gehen, á 2 Trainingseinheiten pro Woche ca. 30 Minuten.
In der nächsten Woche dann z. B. 1 Min. gehen 2 Min. laufen im Wechsel etc.

Im Laufe der Zeit wird das Gehen zu Gunsten des Laufens immer weiter verringert. Die Laufanteile werden von Woche zu Woche mehr. (In der Lauftherapie ist das Ziel nach 12 Wochen 30 Minuten durchzulaufen).

Sportlich fittere Personen können dieses Ziel natürlich auch wesentlich schneller erreichen.

Ich empfehle 2 bis 3 mal die Woche mindestens 30 Minuten, wenn man ausschließlich gesundheitsorientiert läuft. Ambitionierte Personen werden von alleine mehr trainieren.



Was sind die typischen Anfängerfehler und wie kann man sie vermeiden? 

Der Hauptfehler ist der, dass sich viele Anfänger überfordern und dann die Lust verlieren.
Sie laufen viel zu schnell los, kommen ins Keuchen, fühlen sich hinterher erschöpft, haben Schmerzen, verletzen sich vielleicht sogar, bekommen starken Muskelkater. Dann hat man kein Wohlbefinden, sondern ganz im Gegenteil, es hat keinen Spass gemacht. Das Tempo soll immer so sein, das eine leichte Anstrengung fühlbar ist, aber keine Atemlosigkeit da ist.

Man sollte noch in der Lage sein zu sprechen: Laufen ohne Schnaufen!
Und/oder sie haben sich vielleicht unrealistische Ziele gesetzt. Damit meine ich, sie wollen zu viel zu schnell. Z.B. eine halbe Stunde durchlaufen nach 4 Wochen, oder ganz schnell Gewicht verlieren. Ich empfehle, realistische Ziele setzen und verweise noch mal auf die Devise: öfter-länger-intensiver.

Mit 2 mal laufen in der Woche anfangen, kann ich 30 Minuten durchlaufen, dann evtl. sogar 3 mal laufen.
Statt 30 Minuten, eine, aber wirkliche nur eine Einheit pro Woche auf vielleicht 45 Minuten erhöhen.
Erst dann eine Einheit pro Woche intensiver, also in höherem Tempo laufen.



Zum Thema Ausrüstung. Was sollte man sich anschaffen und was ist überflüssig? 

Ich gehe mal davon aus, hier lesen zu 99 % Frauen mit.
Ein absolutes Muss ist ein guter Laufschuh! Hier würde ich keine Kompromisse eingehen und wirklich nur im Fachgeschäft, bitte nicht online kaufen.
Ein gutes Fachgeschäft nimmt sich Zeit zur Beratung und macht einen Laufbandtest.
Ich selbst mache dies bei jedem neuen Laufschuh. Ich würde auch nie einen Schuh empfehlen, da jeder Fuss anders ist.
Ja und für uns Frauen: ein gut sitzender Lauf BH!
Bei der Kleidung sage ich nur, erlaubt ist, was gefällt und was Euer Geldbeutel hergibt!
Im Niedrigpreissegment hat Tchibo wirklich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis!
Im Winter finde ich eine Stirnlampe im Dunkeln unerlässlich. Reflektierende Elemente, mit denen man gut gesehen wird, hat mittlerweile jede funktionelle Laufkleidung.
Im Sommer finde ich für Läufe über 30 Min. einen Trinkgürtel sehr sinnvoll.

Alles andere ist zwar nett und macht Spass, aber kein Muss !



Und jetzt mal zum inneren Schweinehund. Wie kann man den überlisten?
Gute Frage! :-)

Meine Motivationstipps: Wenn Dir das Laufen Spass macht, dann weißt Du ja schon, wie es sich nach dem Laufen anfühlt.
Stell dir also vor, wie du dich fühlst, wenn Du dein Tagessziel erreicht hast!
Schlechtes Wetter ist kein Grund nicht zu laufen. Duschen musst du hinterher sowieso! Die Laufkleidung waschen auch!
Belohne Dich selbst regelmäßig! Z. B. Kannst du dir für jeden Lauf 2 Euro in eine Spardose machen, von dem Geld kaufst Du dir dann ein tolles Laufshirt!
Lobe Dich selbst! Sei ruhig stolz auf dich! Poste ein Bild von Dir auf Instagram ;-) .
Vereinbare mit dir selbst feste Termine für das Laufen, z.B. wenn Du nach der Arbeit läufst: immer um 18 Uhr!Trage sie in deinen Kalender ein! Das ist dein Lauftermin, da machst Du nichts anderes!
Diese 30 Minuten oder 45 oder 1 Stunde ist Zeit für dich, die Dir wichtig sein sollte. Du tust etwas für deine Gesundheit und Fitness! Lass es nicht ausfallen!
Suche Dir Vorbilder und orientiere dich an denen. Das müssen keine Profis sein. Vielleicht gibt es einen Nachbarn, der jeden morgen seine Runde läuft.
Binde dein soziales Umfeld mit ein und lasse sie teilhaben. Vielleicht macht dein Partner sogar mit. Verabrede Dich mit einem Laufpartner/in. Suche Dir eine Laufgruppe im Verein.
Melde Dich für einen Wettbewerb an!


Vielen lieben Dank noch einmal dafür, dass du meine Fragen beantwortet hast. Für deinen nächsten Wettkampf wünsche ich dir jetzt schon mal alles Gute und viel Erfolg.

 
Vielen Dank, liebe Sabine!  




Sämtliche hier gezeigten Fotos wurden mir freundlicherweise von Claudia zur Verfügung gestellt.








Kommentare:

  1. Guten Morgen, Beim Laufen bin ich leider raus. Gehen ja. Aber sehr interessant;)
    Wünsch Dir einen schönen Tag, liebe Grüße Tina

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    1. Vielen Dank, liebe Tina. Joggen muss ja auch nicht sein, Walking ist auch sehr gut für die Gesundheit.

      Liebe Grüße
      Sabine

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  2. Schön, hier mehr über die liebe Claudia zu erfahren, die echt ein tolles Vorbild ist!
    Das Motto "öfter-länger-intensiver" finde ich klasse, denn bestimmt teilen sehr viele das Laufen am Anfang falsch ein und wollen so schnell wie möglich Erfolge sehen.

    LG
    Annette | Lady of Style

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    1. Hallo liebe Annette,

      Claudia ist mir auch sofort auf Instagram aufgefallen. Sie hat eine sehr positive Ausstrahlung und ihre Fotos sind für mich sehr motivierend. Dass sie sich zum Interview bereit erklärte, hat mich natürlich total gefreut.

      Viele liebe Grüße
      Sabine

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    2. Liebe Annette,

      vielen Dank für die liebe Rückmeldung

      Claudia

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  3. Da bekomme ich tatsächlich sofort Lust, die Turnschuhe anzuziehen und loszulaufen. Wenn mir mein Körper nicht immer wieder signalisieren würde, dass das Laufen(Joggen) wohl offenbar nichts für mich ist. Aber das li. Sprunggelenk ist nach diversen Verstauchungen einfach eine böse Schwachstelle und nun habe ich mich aufs Walken verlagert. Macht einfach weniger Ärger. ;)

    LG Anna

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    1. Auf jeden Fall ist es wichtig, auf seinen Körper zu hören und ihn nicht zu Handlungen zu zwingen, die nicht gut tun. Das machst du genau richtig. Walking ist ja auch sehr gesund!

      Viele liebe Grüße
      Sabine

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    2. Hallo Anna,
      da kann ich den Worten von Sabine nur zustimmen.

      Gruß
      Claudia

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  4. Ein tolles Interview liebe Sabine. Sehr sympathisch. Ich bewundere alle, die gern laufen. Selbst bin ich eher der Geher und walke - auch gerne mit Stöcken). Ich hab es mal versucht mit dem Joggen und wirklich klein angefangen. Aber das ist einfach nicht meine Sportart (mochte ich als Kind schon nicht - lieber auf dem Trampolin springen).

    Liebe Grüße Sabine

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    1. Danke schön, liebe Sabine. Trampolin springen könnte ich gar nicht. Mein Sohn hat auch eins, das steht bei uns im Garten. Darauf habe ich mich auch mal versucht, mit dem Ergebnis, dass mir hinterher schlecht war ;) ! So hat halt jeder seins.

      Liebe Grüße
      Sabine

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    2. Liebe Sabine,
      viel Spaß beim Trampolin springen.
      Mach ruhig, das was dir gefällt !
      Als stille Leserin besuche ich deinen Blog auch ganz oft und finde dich auch sehr sympathisch !

      Liebe Grüße
      Claudia

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  5. Sehr interessant liebe Sabine, ein tolles Interview! Ich laufe schon sehr lange, früher sogar Halbmarathons, jetzt nur mehr zum Vergnügen, aber dreimal in der Woche schaffe ich meine 7-8 km schon. Laufen befreit und macht wirklich gute Laune!
    Ganz liebe Grüße
    Alnis

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    1. Da hast du ganz Recht, liebe Alnis. Befreiend ist das Laufen auf jeden Fall.
      Danke für dein Kompliment.

      Viele liebe Grüße
      Sabine

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    2. Hallo Alnis,

      schön, dass dir das Laufen so gut tut. Und sportliche Wettbewerbserfahrungen hast du dann ja auch schon hinter dir.
      Wie lange ich das noch mache weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, dass ich laufe so lange es geht !

      Gruß
      Claudia

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  6. Laufen ist ein toller Sport. Prima, dass du den hier thematisierst und eine so kompetente Interviewpartnerin gefunden hast. Mal sehen, wann ich endlich wieder laufen gehen kann. Einen Frühling ohne Laufen am Morgen kann ich mir noch gar nicht so recht vorstellen.
    Liebe Grüße
    Fran

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  7. Hallo an alle, die hier kommentiert haben.
    Bei fast allen von euch hab ich auch schon mal reingeschaut oder schau ich regelmäßig rein.
    Frau interessiert sich ja nicht nur für das Laufen ! ;-)
    Und an alle, die damit nichts anfangen können: macht den Sport, der Euch Spaß macht !

    Und danke liebe Sabine, dass du mich hier eingeladen hast.

    Liebe Grüße
    Claudia

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    1. Das ist eine wunderbare Aussage. Jeder Schritt zählt und Bewegung, egal welcher Art ist wahnsinnig wichtig für die Gesundheit. Solche Interviews regen zusatzlich dazu an. Danke euch beiden! :)
      Liebe Grüße Tina

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  8. Ich bin zwar keine Joggerin, trotzdem war das Interview toll zu lesen.

    Danke dafür liebe Sabine.

    Jennifer

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  9. Ein tolle und spannendes Interview. Ich freue mich hier mehr über die liebe Claudia erfahren zu haben
    LG Cla

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