Sonntag, 19. Februar 2017

Von Einer, die auszog, um Geduld zu erlernen


Als Bloggerin gibt man ganz schön viel aus seinem Leben preis, zumindest dann, wenn man nicht nur stumpf Outfit-Fotos postet und das beschreibt, was darauf zu sehen ist, sondern, wenn man auch aus seinem Leben erzählt...
Und das mache ich hier sehr gerne. Daher ist auch immer mal wieder das eine oder andere Private zu lesen. Ich finde das überhaupt nicht schlimm, denn ich schreibe hier Sachen, die ich sonst auch erzählen würde. So kennt ihr mittlerweile nicht nur meinen Kleidungsgeschmack, sondern auch ein paar meiner Charaktereigenschaften. Ihr wisst z B., dass ich einen Schuhtick habe, früher unter meiner Größe litt und meine Schwester mich im Streit Speckauge nannte und außerdem auch, dass ich ehrgeizig bin, manchmal unbeherrscht und dass Geduld nicht meine Stärke ist.

Am 30.09.1979 schrieb mein lieber Vater mir ein Gedicht in mein Poesiealbum. Das ist von Victor Blüthgen und lautet:
                    
Kannst du nicht wie der Adler fliegen,
klettere nur Schritt für Schritt bergan.
Wer mit Mühe den Gipfel gewann,
hat auch die Welt zu Füßen liegen.

Das Gedicht mag ich unheimlich gerne und es ist mir das Liebste in diesem Album. Ich rufe es mir immer wieder in Erinnerung und denke darüber nach. Wer hätte das damals gedacht, dass diese Worte einmal so gut zu mir passen würden. 

Ja, ich wäre doch so gerne der Adler, der zügig an die Spitze des Berges gleitet, denn den Berg Schritt für Schritt zu erklimmen, liegt mir nicht. Vieles geht mir nicht schnell genug, ich bin einfach zu ungeduldig. Und das ist nicht so leicht zu ändern. Denn auch wenn ich frei bin wie ein Vogel, so bin ich doch gefangen in meinen Charaktereigenschaften.  Davon gibt es sicherlich einige Gute, aber auf der Negativseite wiegt die Ungeduld ganz schwer.

Jetzt ist im Leben der direkte Flug auf die Spitze meistens nicht möglich, zumindest nicht in meinem Leben. Gelegentlich schon mal, aber das ist nicht die Regel. Bis auf diese Ausnahmen heißt es dann, Ruhe bewahren und einen Schritt nach dem anderen zu tun. Manchmal fällt mir das so unglaublich schwer, dass es kaum auszuhalten ist. 
Erst am letzten Wochenende bin ich wieder gehörig auf die Nase gefallen mit meiner Ungeduld. Angestachelt durch den Drang und den Wunsch des Habenwollens, gepaart mit Aufregung und Neugier, ging es mir mal wieder nicht schnell genug und es folgte, was eigentlich vorauszusehen war. Den Weg in Gedanken bereits abgeflogen, sich auf dem Gipfel stehen gesehen, bricht dieses Gebilde plötzlich zusammen und man realisiert, dass man doch wieder unten anfangen muss, schrittweise nach oben zu gehen und dabei nicht außer Acht lassen darf, dass man nicht plötzlich anfängt zu rennen und einem unterwegs die Luft ausgeht. Und wenn ich hier auch von "man" spreche, so meine ich doch mich. Die Traurigkeit und die Wut darüber, dass mir meine mangelnde Geduld mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, waren groß und sollten ja eigentlich Ansporn genug sein, um in der Zukunft anders zu reagieren. Sollten...

Es ist aber nicht nur die mangelnde Geduld, die mich zur Weißglut bringen kann, sondern auch noch der Faktor, dass ich sehr gerne alles unter Kontrolle habe. Und darin liegt die Krux: Man kann sich ja nur selbst kontrollieren und das auch nur bis zu einem gewissen Grad. Alle anderen Menschen muss man so hinnehmen, wie sie sind, mit ihren Ecken und Kanten. Aber das wissen wir ja alle schon. Und entweder man schafft das, oder man distanziert sich. Und eins kann ich euch sagen, Ungeduld und der Wunsch nach Kontrolle sind keine guten Kombinationspartner.

Aber wir sind ja Menschen und wir sind lernfähig. Und das schreibe ich mir immer wieder auf die Fahnen. Da komm mir das Gedicht von Victor Blüthgen sehr recht. Ich denke mal, dass ich es mir auf eine Leinwand malen werde und das Ganze dann ins Wohnzimmer hänge. Vielleicht mahnt es mich dann öfter, dass ich meine guten Vorsätze nicht immer so schnell wieder vergesse und akzeptiere, dass schrittweise ans Ziel zu kommen, auch nicht verkehrt ist. 

Was sagt ihr dazu?

Ich wünsche euch einen entspannten Sonntag!

Lieben Gruß
Sabine





Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Sabine,die Sache mit der Kontrolle haben müssen kenne ich sehr gut.Geholfen hat mir eine Ausspruch der lautet " Bleibe in deinen Angelegenheiten " denn nur da bist du Handlungsfähig.

    Geduld habe ich gelernt,ich kann heute warten und die Vorfreude genießen oder die Zeit auch einfach aushalten, je nachdem was in der Zukunft liegt. Kennst du den Spruch , da Gras wird auch nicht länger wenn man dran zieht....Von daher ,ist abwarten und Ruhe bewahren kein schlechter Ratgeber. Hab einen schönen SONNTAG LG Jaydee

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    1. Den Spruch mit dem Gras kannte ich bislang noch nicht, aber er trifft es auf den Punkt, liebe Jaydee. Der ist auch wie für mich gemacht!

      Die Zeit "einfach" aushalten... ja, das sagt sich so leicht. Ich versuche es wirklich immer wieder und scheitere dann kläglich. Aber du machst mir Mut, indem du sagst, dass du es gelernt hast. Das lässt mich hoffen, dass ich es vielleicht auch irgendwann einmal schaffe.

      Lieben Gruß
      Sabine

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  2. Ich glaube, dass die Ungeduld, die wir bei Erreichung von Zielen haben, etwas sehr menschliches ist. Nicht umsonst wurde "der Weg ist das Ziel" zum geflügelten Wort. Denn der Weg ist für uns meist das notwendige Übel :) Ich versuche, zunehmend geduldiger zu sein. Das funktioniert mal mehr und mal weniger gut.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Den Spruch "Der Weg ist das Ziel" habe ich ganz groß in meinem Büro hängen. ;)
      Und irgendwie stimmt es ja auch und das ist mir durchaus bewusst. Ich weiß auch nicht, warum es mir so schwer fällt, das auch zu verinnerlichen.

      Liebe Grüße
      Sabine

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  3. Liebe Sabine,
    auf dem Weg, Geduld zu erlernen, sollte ich Dich begleiten. Viel zu oft rege ich mich über mich und andere auf, weil's mir nicht schnell genug geht. Vor allem das Warten fällt mir schwer. Dein Vater hat Dir einen wunderbaren Rat mitgegeben. Wenn ich den wörtlich nehme und mir eine Wanderung bergan vorstelle, macht doch gerade das Schritt für Schritt entdecken und erleben, den Weg zu einem einzigartigen Erlebnnis. Vielleicht sollte ich daran mal denken, wenn ich das nächste Mal an der Kasse ungeduldig auf den Fußballen wippe.
    Lieben Gruß und schönes Wochenende
    Sabine

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    1. Ja, lass uns gemeinsam gehen, dann wird es vielleicht leichter!

      Du hast ganz recht, dieses Entdecken und Erleben bei jedem Schritt macht das Erlebnis aus und dazu kommen dann Spannung und Vorfreude auf das Ziel. Vielleicht ist es bei mir aber auch einfach nur die Angst, vom Weg abzukommen und das Ziel vielleicht niemals zu erreichen? Ich weiß es nicht.

      Liebe Grüße
      Sabine

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  4. Kennst Du die Situation, dass man es eilig hat, und vor lauter schnell, schnell baut man dann noch Murks, so dass man am Ende länger für etwas braucht, als wenn man es gleich langsamer gemacht hätte? Dieser Gedanke ist mir gerade durch den Kopf gegangen. Ich bin ja auch jemand, der weniger Geduld hat und dafür eher ein relativ flinkes Tempo mitbringt. Trotzdem glaube ich, dass es einfach ein häufiger Fehler ist, dass man vor lauter Ziel, was man vor Augen hat, vergisst, sich auf den Moment zu konzentrieren. Aber so nimmt man sich die Gelegenheit, ganz fokussiert auf die Tätigkeit zu sein, möglicherweise einen Flow zu erleben, sich an kleinen Schritten zu freuen, den Augenblick aufzunehmen und vielleicht sogar auch zu genießen. Und wenn man Pech hat, ist man am Schluss trotzdem nicht zufrieden, da das Resultat dadurch nicht so gut geworden ist bzw. man viel mehr Schritte dafür gebraucht hat (siehe erster Satz). Man sollte sich statt auf Ziele ausserdem auch eher auf Ergebnisse konzentrieren - Ergebnisse kann man zum Glück auch schon mittendrin wahrnehmen. Aber ich schaffe es leider auch nicht immer...:-(

    Das Gedicht oben ist wirklich sehr schön, liebe Sabine!

    Viele liebe Grüße :-)

    Hasi

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    1. Danke, liebe Hasi. Du hast das ganz wunderbar in Worte gefasst. Den Augenblick aufzunehmen ist etwas, was ich eigentlich in den vielen Entspannungskursen, die ich bislang besuchte, gelernt haben sollte. Manchmal gelingt es mir und manchmal auch nicht. In den Momenten, in denen es mir gelingt, geduldig zu sein, bin ich letztendlich selbst überrascht von mir. Und dann beim nächsten Mal ...zack... altes Bild. Sehr ärgerlich. Aber vielleicht bin ich beim Geduld erlernen auch mal wieder zu ungeduldig. ;)

      Lieben Gruß
      Sabine

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  5. Oh ich habe leider auch keine Geduld. Ich sage mir oft Geduld ist eine Tugend, aber das hält selten lange. Auf meine Umwelt allerdings wirke ich geduldig, kann es oft kaum glauben. So hat jeder seine Schwächen, nicht alle kann man bekämpfen.
    Wünsche einen schönen Sonntag, liebe Grüße Tina

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    1. Das ist auch mal wahr. Und seine Schwächen anzunehmen, hat ja auch was von Stärke, finde ich.

      Liebe Grüße
      Sabine

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  6. Dass ich nix unter Kontrolle habe, daran habe ich mich so ganz langsam gewöhnt. Ich war mal ein fürchterlicher Kontrollfreak und wenn etwas anders lief als ich es geplant habe, war das ganz schrecklich. Das ist schon lange nicht mehr so. Kinder und neuer Job haben da vor vielen Jahren Grundlegendes geändert. Damit schwand auch die Ungeduld :-) Naja, meistens. Ab und an lässt sie sich schon noch blicken. Gottseidank nur selten.
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Da kannst du wirklich dankbar sein. Ein ungeduldiger Kontrollfreak, wer möchte das schon sein? Ich zumindest nicht.
      Aber ich habe Hoffnung, dass das nicht so bleibt und bin sehr froh, wenn ich hier lese, dass es auch andere gibt, die ungeduldige Kontrollettis sind oder waren.

      Lieben Gruß
      Sabine

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  7. Liebe Sabine,
    vielleicht legt es sich irgendwann oder wird schwächer aber auch ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Manchmal macht es mich richtig fertig, bis ich mich dann wieder darauf besinne was ist und das alles gut wird.
    Dein Papa hat dir einen schönen Spruch auf den Weg mitgegeben!
    LG Natascha

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    1. Danke, liebe Natascha. Früher als Kind fand ich das Gedicht doof. Aber da war ich ja auch erst 10 und habe es nicht so richtig verstanden. Heute finde ich es absolut toll und freue mich immer wieder, wenn ich es lese.

      Liebe Grüße
      Sabine

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  8. Liebe Sabine, seine Ziele in Schritten zu erreichen ist oft wirklich nix für ungeduldige. ich nehme mich da gar nicht aus. Manchmal wäre das Ziel mir am Liebsten gleich jetzt. Aber der Weg ist vielleicht ein nicht unwesentlicher Teil von diesem erfolgsgefühl, wenn man etwas erreicht :-)
    Liebe Grüße Ela

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    1. Das stimmt. Jeden einzelnen Erfolgsschritt zu genießen, hat auch was. Vielleicht ist das ja für mich auch schon ein Erfolg, das zu erkennen.

      Lieben Gruß
      Sabine

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  9. Liebe Sabine, ich kenne das nur zu gut. Früher war ich auch sehr ungeduldig. Mittlerweile bin ich viel gelassener geworden. Irgendwelche Vorteile muss es ja haben, wenn man älter wird :)

    Liebe Grüße Sabine

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    1. Ha ha... ich denke, das hat auf jeden Fall auch was mit dem Älter werden zu tun. Früher war ich nämlich noch schlimmer. *grins*

      Liebe Grüße
      Sabine

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