Sonntag, 12. März 2017

Entspannter leben durch Wegschauen?


Vielleicht weiß es der/die eine oder andere schon, vielleicht auch nicht. Ich esse kein Fleisch und das seit über sechs Jahren. Warum das so ist, möchte ich an dieser Stelle nicht zum Thema machen, denn ich finde Diskussionen um die jeweilige Ernährungsform ziemlich nervig...


Dass ich kein Fleisch esse, erwähne ich daher (meistens) gar nicht. Denn wenn ich das mache, geht garantiert im Anschluss eine Diskussion unter den Leuten los und dann wird lang und breit dargelegt, warum sie selbst noch Fleisch essen und dass Leben ohne Fleisch nicht gesund sei usw. Daher vermeide ich derartige Themen, denn ich möchte keine anderen Menschen von meiner Ernährungsform überzeugen oder mit ihnen darüber diskutieren und auch nicht von ihnen missioniert werden.

Ihr fragt euch nun sicherlich, was dann jetzt wohl kommt? Keine Sorge, ich halte euch hier keinen Vortrag über Tierhaltung oder Massenproduktionen. Das steht mir nicht zu, denn ich bin ja schließlich auch Konsumentin und bevor man anderen Personen einen Vortrag hält, sollte man erst einmal ganz genau bei sich schauen und sein eigenes Tun und Handeln beleuchten.

Warum ich heute dieses Thema gewählt habe, hat einen anderen Hintergrund. Vor einiger Zeit entbrannte in einem Frauenkreis eine Diskussion über Fleischverzehr. Am Vorabend war eine entsprechende Sendung im Fernsehen ausgestrahlt worden mit den typischen Bildern der Massentierhaltung und inkognito gefilmten Beiträgen. Es wurde also eifrig über diese Sendung diskutiert. Ich habe versucht, mich da weitestgehend raus zu halten, damit es nicht heißt, dass ich jetzt als Nichtfleischesserin den Oberlehrer raushängen lasse. 

So habe ich eigentlich mehr oder weniger still zugehört ... bis zu einem Satz, der in etwa lautete:  Ach nee... so etwas gucke ich mir gar nicht erst an. Das verdirbt mir nur den Appetit!  Diese Aussage hat mir dann so ziemlich die Sprache verschlagen. Genau das ist ja wohl die Absicht hinter so einer Sendung. Der Verbraucher soll wachgerüttelt werden und seinen Konsum und die Folgen für Tier und Umwelt überdenken. Natürlich ist das jedermanns Recht, sich so etwas nicht anzuschauen und an seiner Lebensweise festzuhalten. Aber diese Äußerung fand ich trotzdem ziemlich daneben. Für mich drückt sie die absolute Gleichgültigkeit aus. Bevor mich das noch mehr auf die Palme gebracht hätte, habe ich mich dann aus der Runde zurückgezogen, aber das Thema hat mich nicht mehr losgelassen. Wie kann man so etwas ausblenden? Wahrscheinlich einfach deshalb, weil man sich damit nicht belasten möchte. Also, Wegschauen und dadurch entspannter leben? Ja, das ist sicherlich eine Möglichkeit, durch den Alltag zu kommen und offenbar auch ziemlich verbreitet. 

Kürzlich habe ich an einem Selbstbehauptungskurs für Frauen teilgenommen. Wir haben eine Situation in einem vollen Bus nachgespielt. Die Kursleiterin setzte sich auf den letzten freien Platz und fing an, die Sitznachbarin zu begrapschen. Und irgendwie dauerte es schon eine Weile, bis sich jemand rührte. Beim anschließenden Feedback kamen dann auch Äußerungen, dass man dachte, es würde vielleicht ein Anderer helfen. Erst fühlte sich keiner so richtig zuständig.  Das ist auch so eine Möglichkeit, entspannter durchs Leben zu kommen. Ich schaue einfach nicht hin und dann habe ich damit auch nichts zu tun.

Als drittes Beispiel möchte ich euch von einem Bekannten erzählen. Der hat es organisiert, dass sein Arbeitgeber junge Flüchtlinge als Praktikanten aufnimmt. Einer der Jungen hat dann mal einen kleinen Vortrag vor der Belegschaft gehalten und aus seinem zerstörten Heimatort erzählt. Danach waren wohl alle Anwesenden ziemlich betroffen von dem Leid des Jugendlichen. Vorher hatte man sich damit überhaupt nicht befasst und vielleicht doch eher weggeschaut...

Was ich damit sagen möchte ist, dass wir alle ein wenig mehr hinsehen sollten, auch wenn das, was wir dann sehen, vielleicht nicht so angenehm für uns ist. Natürlich kann man sich nicht das Leid der ganzen Welt aufbürden, aber den Blick mal zu schärfen, schadet nie.

Doch das soll jetzt hier nicht das Wort zum Sonntag werden, denn das ist und bleibt hier ein Modeblog, auch wenn es mal nachdenkliche Töne gibt. Und daher möchte ich euch noch bitten, auch einen kleinen Blick auf mein Outfit zu werfen. Ich habe mal wieder meinen Jeansrock hervorgeholt und mich an einem Frühjahrsoutfit damit versucht. Auch dieses Mal ist der Look farbtechnisch ziemlich einheitlich, so wie bei diesem Outfit h i e r , heute allerdings in meiner Lieblingsfarbe Blau. Damit es nicht allzu tonig wirkt, habe ich noch meine kleine Betty hervorgeholt. Diese Tasche liebe ich einfach und ich freue mich immer noch über den Kauf. 

Gibt es auch Situationen oder Aussagen, die euch auf die Palme bringen können? Und diskutiert ihr das dann aus oder zieht ihr euch zurück?

Ich wünsche euch einen tollen und erholsamen Sonntag!


Liebe Grüße
Sabine








Mein heutiges Outfit:
Mantel, Rock, Gürtel - Esprit / edc (Mantel: Ärmel gekürzt, Rock: gekürzt)
Strickjacke - Vero Moda
Shirt - s.Oliver
Strumpfhose 30den - Calzedonia
Schuhe - Paul Green
Tasche - Betty Barclay
Tuch - vom Markt auf Mallorca

Kommentare:

  1. Wegschauen ist weit verbreitet und Einmischen erfordert Zivilcourage! Das ist nicht immer einfach, aber wir können das üben.
    Blau ist auch meine Lieblingsfarbe und deshalb mag ich Deine heutige Komposition sehr.

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank. Ich freue mich, dass dir die Kombi gefällt.

      Ja, Zivilcourage kann man üben. Ich weiß selbst, dass das nicht einfach ist, denn ich nehme mich bei den Wegsehern ja nicht aus.

      Liebe Grüße
      Sabine

      Löschen
  2. Dieses "So was schaue ich mir gar nicht erst an" macht mich auch immer sprachlos. Und, das muss ich leider zugeben, auch ein bisschen aggressiv. Wobei ich ja selbst Tage habe, an denen ich sogar die Nachrichten meide, weil es mir einfach zu viel wird. Ist halt schwer, sich diese "Alles wird gut"-Grundeinstellung zu bewahren, wenn du ständig mit Müll zugeschüttet wirst. Aber den Kopf dauerhaft in den Sand stecken kann's ja auch nicht sein.

    Und dein Outfit steht dir klasse und Betty ist ein schöner Farbtupfer.

    Lieben Gruß und hab einen schönen Sonntag!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, ich bin auch leicht aggressiv geworden, daher habe ich die Runde auch verlassen.

      Das, was du beschreibst, kenne ich auch. Manchmal möchte ich gar nichts mehr vom Terror oder so hören. Dann bekomme ich automatisch Angst und möchte das Ausblenden und nicht in meine kleine Welt lassen. Dauerhaft geht das natürlich nicht, das wäre ja dann auch Gleichgültigkeit. Und die finde ich schlimm.

      Liebe Grüße
      Sabine

      Löschen
  3. Liebe Sabine, ein guter Post und ein gutes Wort zum Sonntag. Ich habe auch den Wunsch, dass die Menschen besser hin- statt wegschauen. Den Mund aufmachen. Helfen.
    Ich tu das eigentlich immer. Ich habe täglich mit so vielen Menschen zu tun im Beruf, dass ich mich auch sonst selten wo raushalten kann. Zur Not, wenn andere sich zurückhalten, spanne ich sie halt mit ein. Gezielt. Dann sagen die wenigsten Nein.
    Ich weiss dass einmischen "unbequem" werden kann, aber man muss echt mal damit leben weggeschaut zu haben, wenn was passiert ist. Ich möchte mich im Spiegel noch anschauen können.
    Einen schönen Sonntag, liebe Grüße Tina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du triffst es auf den Punkt, liebe Tina. Das ist auch etwas, was ich sehr bedeutsam in dem Selbstbehauptungskurs fand. Einer muss den Anfang machen und zur Not die anderen Leute anweisen. Teilweise wussten wir gar nicht, wie wir reagieren sollten und nachdem eine von uns sozusagen die "Leitung" übernommen hatte, ging alles wie von selbst.

      Liebe Grüße
      Sabine

      Löschen
  4. Liebe Sabine, ui ui wegschauen, damit ich besser schlafen kann oder es mir gut geht. Nein ich denke das ist ganz und gar der falsche weg. Man sollte immer wissen was man da isst oder auch generell mal einen Blick links oder rechts werfen.
    Zu deinem Outfit möchte ich trotz des ernsten Themas aber noch sagen, dass du sehr gut darin aussiehst.
    Liebe Grüße Ela

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke schön, liebe Ela.

      Ja, das Thema ist ernst, das stimmt schon. Aber von Zeit zu Zeit sollte man sich auch damit mal befassen. Natürlich muss das nicht alles beherrschen, aber um den Blick nach rechts oder links zu werfen, sollte man sich auch mal Zeit nehmen.

      Lieben Gruß
      Sabine

      Löschen
  5. Wie war das hoch mit den drei Affen? Ich sehe nichts. Ich höre nichts. Ich sage nichts.Ich finde, dass kann es nicht sein. Ich mag mir solche Filme mit gequälten Tieren auch nicht anschauen, weil mir dann die Tränen kommen. Aber das ist die Realität. Obwohl ich Fleisch mag und auch esse.

    Ansonsten sollten wir alle ein bisschen achtsamer sein.

    Schöner Post liebe Sabine.

    Liebe Grüße Sabine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke liebe Sabine.

      Ja, ein wenig mehr Achtsamkeit schadet nie. Das Beispiel mit den drei Affen ist sehr gut.


      Lieben Gruß
      Sabine

      Löschen
  6. Sich "sowas" nicht anzugucken, weil es den Appetit verdirbt ist einfach nur dumm. Genauso wie wegsehen einfach nur dumm ist. Eine Zeit, in der alle einfach nur weggesehen haben, die hatten wir schon mal. Ich glaube, die will keiner von uns zurück. Hinsehen und den Mund aufmachen erfordert Mut. Und den sollte man aufbringen.
    Und jenseits von diesen ernsten Gedanken siehst du einfach klasse aus! Jeansröcke und -kleider sind einfach dein Ding.
    Liebe Grüße
    Fran

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, so eine Zeit hatten wir leider schon. Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich aufgrund der ganzen Entwicklungen auch ziemlich Angst davor, dass eine solche Zeit wiederkommt. Von daher hast du ganz recht: Den Mund aufzumachen erfordert Mut. Vielleicht kann den nicht jeder aufbringen, ich weiß es nicht. Auf der anderen Seite muss man dann damit leben, dass man sich "rausgehalten" hat.

      Schwieriges Thema, ich weiß.

      Liebe Grüße
      Sabine

      Löschen
  7. Wegschauen, nein Danke. Ich bin immer wieder betroffen, wenn ich Bilder über Elend von Flüchtlingen, Massentierhaltung, Grenzüberschreitungen etc. sehe. Auch wenn es mich manchmal nicht bzw. nur wenig betrifft (Tierhaltung), machen mich solche Bilder traurig. Und wenn ich dann noch schaffe, etwas zu ändern, finde ich dass doppelt schön.
    Einfach nur weggucken finde ich ignorant.
    LG Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Deine Einstellung gefällt mir sehr, liebe Andrea. Wenn man durch sein eigenes Verhalten etwas erreicht, ist das auf jeden Fall großartig.

      Liebe Grüße
      Sabine

      Löschen
  8. Leider beobachte ich das "wegschauen" auch immer! Weißt du wie viele Leute so denken, es ist unglaublich, ich bin davon immer sehr betroffen!
    Ein cooles Outfit wie immer!
    Liebe Grüße
    Alnis

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, liebe Alnis. Ja, Wegschauen ist ziemlich verbreitet, das stimmt.

      Lieben Gruß
      Sabine

      Löschen
  9. Liebe Sabine,
    ja, das große Wegschauen ist übergreifend angesagt und fängt schon viel früher an. Wenn ich beobachte wie selten Flüchtlingskinder auf der Straße angelacht werden, dann werde ich sehr nachdenklich. Meistens baden die Schwächsten die Dummheit anderer aus.
    Dein Artikel ist großartig Sabine

    Liebe Grüße
    Gabriele

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke schön, liebe Gabriele.

      Ich denke mir auch manchmal: Gut, dass wir hier so leben, wie wir leben. Die Vorstellung, flüchten zu müssen, finde ich schrecklich. Alles aufgeben und irgendwo neu anfangen? Egal aus welchem Grund, ob nun verfolgt oder aus wirtschaftlichen Gründen. Die Leute sehen in ihrem Land keine Perspektive mehr und erhoffen sich woanders ein besseres Leben. Ist das verwerflich? Würde man nicht genauso handeln, wenn man kein Fortkommen im eigenen Land sieht oder das Leben bedroht wäre? Für mich ist das ein durchaus nachvollziehbares Handeln und ich glaube, das vergessen viele Menschen.

      Liebe Grüße
      Sabine

      Löschen