Sonntag, 18. Juni 2017

Zurück in den Alltag


Frei bzw. Urlaub zu haben, ist schon was Tolles. Den ganzen lieben langen Tag kann man machen, was man möchte. Na ja, fast. Natürlich macht sich der Haushalt in der Zeit nicht von alleine und den Einkauf muss auch irgendwer erledigen, aber man kann es doch deutlich langsamer angehen lassen und hat für diese ganzen Sachen den gesamten Tag Zeit und nicht nur ein paar Stunden nach Dienstschluss...

Nun, nachdem ich auf meiner Pilgerreise bereits nach zwei Wochen am Ziel war und nicht die geplanten drei Wochen in Spanien verbrachte, hatte ich zu Hause noch eine ganze Woche Zeit. Zuerst war meine Überlegung, nur noch den Montag zu Hause zu bleiben und dann am Dienstag wieder arbeiten zu gehen. Doch die Rückreise war schon ziemlich anstrengend und die Reise an sich auch sehr nachhaltig uns so musste ich das Ganze erst einmal sacken lassen und verinnerlichen und dazu war ein Tag eindeutig zu wenig. Außerdem hatte ich auch noch ein erhebliches Schlafdefizit. Das war zwar nicht aufzuholen, doch die Zeit zu Hause war einfach zur Regeneration nötig.

Aber weil ich ja irgendwie so gepolt bin, hatte ich mir auch gleich für die Woche so einiges vorgenommen. Die Fenster sollten dringend geputzt werden und auch der Haufen Bügelwäsche, der noch von vor dem Urlaub (ja, tatsächlich!) in der Waschküche liegt, sollte weggebügelt werden. Doch ich habe nichts von all dem getan. Im Gegenteil: Ich habe einfach mal nur das gemacht, was ich wollte und das war überwiegend NICHTS. Statt mich im Haushalt abzumühen, habe ich meinen Balkon mit schönen Pflanzen bestückt, bin zum Kaffeetrinken in die Stadt gegangen und habe viel gelesen. Das tat gut. Erst wollte mich ein schlechtes Gewissen beschleichen, aber das habe ich dann verhältnismäßig schnell abgewimmelt. Der Alltag hat mich ja ab morgen wieder in seinen Fängen und da bleibt noch genug Zeit, um diese Arbeiten zu erledigen.

Was mir nach der Pilgerreise ein wenig Probleme bereitete, war die Frage, was ich anziehen soll. Das klingt vielleicht jetzt komisch, aber auf der Tour hat sich diese Frage nicht gestellt. Da hatte ich drei Mikrofaser-Shirts dabei und zwei Wanderhosen. Und ich habe immer das angezogen, was gerade sauber war. Als Luxusprodukt waren ein Kajalstift und eine Minimascara im Gepäck und selbst das habe ich nicht immer benutzt. Die Haare kamen in einen Zopf und irgendwann habe ich auch aufgegeben, zu bedauern, wie ich gerade auf dem Kopf aussehe und dass ich immer das Gleiche trage. 

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich die Frage nach dem "Was ziehe ich an?" überhaupt nicht vermisst habe. Denn manchmal stehe ich ratlos vor meinem Kleiderschrank und mir gefällt gar nichts. Das, was ich am Vortag noch trug, finde ich dann auf einmal blöd. Und überhaupt stelle ich dann ganz frustriert fest, dass ich ja überhaupt gaaaar nichts anzuziehen habe.

Das ist natürlich Quatsch und das weiß ich auch. Jetzt nach dem Urlaub und dem Bescheiden auf ein paar Dinge, habe ich für mich festgestellt, dass es auch was für sich hat, nicht so einen Überfluss zur Verfügung zu haben. Irgendwie mochte ich nichts so richtig leiden. Jetzt könnte man ja meinen, ich hätte nach der Zeit der Entbehrung darauf gebrannt, wieder aus den Vollen schöpfen zu können, aber dem war nicht so. Okay, mein Kleiderschrank ist zwar schon gut gefüllt, aber sooo voll auch nun wieder nicht. Teilweise ist die Kleidung auch schon mehrere Jahre alt, aber noch intakt und zeitlos. Und daher wird sie auch noch angezogen. Doch trotzdem stand ich ziemlich planlos vor dem Schrank.

Kurze Hose? Ungern, denn mein Körper hat auf der Pilgerreise nur im Gesicht und an den Armen bis zur T-Shirt-Grenze Sonne gesehen und sich dementsprechend braun verfärbt. Die Beine sind trotz Zippens der Hosenbeine nach wie vor kalkfarben. :( Also muss erst eine Selbstbräuneranwendung her, sonst fühle ich mich nicht wohl. Rock? Gleiches Thema. Kleid? Ebenfalls. Also eine längere Hose. Aber welche? Ich konnte beim besten Willen keine Entscheidung treffen und so habe ich einfach irgendwas gegriffen, angezogen, mir die Kamera geschnappt und bin losgegangen. 

Später habe ich noch einmal über die ganze Situation vor dem Schrank nachgedacht und eine geplante Shopping-Tour wieder verworfen. Zum Abi-Ball meines Patenkindes wird eins der vorhandenen Kleider angezogen und nichts Neues gekauft. Es sind genug Sachen da und ich werde versuchen, den Verlockungen des SALE zu widerstehen und keine Neuanschaffungen in diesem Sommer zu tätigen. 

Wie ist das denn bei euch? Seid ihr auch manchmal genervt vom "zu viel"?

Ich wünsche euch einen tollen und entspannten Sonntag

Viele Grüße
Sabine









Mein heutiges Outfit:
TShirt - s.Oliver
Hose und Gürtel - Esprit
Schuhe - Tamaris
Tasche - Michael Kors

Kommentare:

  1. Liebe Sabine, absolut. Es nervt mich von Zeit zu Zeit enorm , dieses immer mehr. Ich bin ständig dabei zu entsorgen , aber eben auch nicht frei von dem Gedanken " das bräuchte ich " . Ein ständiger Kampf. Aber tief im Herzen weiß ich das dieses wollen nach mehr , ein Defizit in meinem Leben ist das ich versuche zu füllen. Komm gut an und morgen einen guten Start in den Alltag. Lg Jaydee

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    1. Du triffst es genau. Den Gedanken, dass man dieses oder jenes bräuchte, habe ich auch. Bestes Beispiel ist der Abiball meines Patenkindes. Ich habe ein dunkelblaues Kleid im Schrank, das möchte ich wohl anziehen. Sofort schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich doch eigentlich auch dunkelblaue Pumps dazu bräuchte. Das ist natürlich Quatsch. Schwarze oder nudefarbene gingen auch oder silberfarbene Sandalen.

      Das mit dem Defizit kann schon irgendwie so sein. Eine Ersatzbefriedigung also, für was auch immer...

      Vielen Dank und liebe Grüße
      Sabine

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  2. Du siehst toll aus in dem frischen Sommer- Outfit. Und jetzt auch erholt :) . Ich bin nach dem Urlaub auch immer noch gerne ein paar Tage zu Hause ohne Pläne. Ich hab meine Rubrik Mission Kleiderschrank, die,hilft mir echt zu reflektieren. Klar könnte ich tatsächlich weniger kaufen, zumal ich unter der Woche fast nur Praxiskleidung trage.
    Schönen Sonntag, liebe Grüße Tina

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    1. Die Woche zu Hause hat schon noch gut getan. Gut, dass ich nicht sofort wieder arbeiten gegangen bin.

      Deine Rubrik Mission Kleiderschrank ist mir noch im Kopf. Die hat mich schon des öfteren davor bewahrt, einen unnützen Kauf zu tätigen. Ich versuche mir ein Beispiel zu nehmen, und meine Garderobe nur um potentielle "Lieblingsteile" zu erweitern.

      Lieben Gruß
      Sabine

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  3. Früher hatte ich irgendwie "alles" im Schrank. Zig verschiedene Hosen, Röcke, Kleider, Westen, Oberteile, Farben und sonst noch was. Das modische Austoben und Experimentieren hat mir zwar durchaus Spaß gemacht, mich aber ordentlich Zeit gekostet - und eigentlich war alles viel zu kompliziert und letztendlich auch nervig. Dann habe ich über eine längere Zeit begonnen, meinen Schrankinhalt zu überdenken, ordentlich auszumisten und alles klarer abzustimmen. Na ja, für mich das Ergebnis jetzt sehr erfreulich, der Frust ist weg und ich fühle mich trotzdem so wohl in meinen Outfits wie noch nie. Es ist also hier für mich wie immer im Leben: Qualität vor Quantität. Und für mich bedeutet Qualität auch, den Fokus nur noch auf ausgesuchte Lieblingssachen - und farben zu legen. Daher lange Rede, kurzer Sinn: Ich mag mittlerweile lieber weniger Auswahl, aber dafür aber eine gute.

    Und so ein Outfit, wie Du heute trägst, könnte ich fast auch aus meinem Schrank zaubern (nur mit Silber-Sneakern statt der Sandalen). Sehr hübsch - und genau Deine Farben, liebe Sabine. Und ich finde​ es gut, dass Du die letzten Tage nicht die Wohnung geputzt sondern stattdessen die Zeit genossen hast. Die Arbeit kommt schon wieder früh genug zurück ins Leben ;-).

    Liebe Grüße

    Hasi

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    1. Das ist auch genau richtig, finde ich. Lieber weniger und dafür Sachen, die gut halten und an denen man viel Freude hat. Und wenn die Teile miteinander gut kombinierbar sind, ist es ja optimal. Und trotz der ganzen Ausmisterei ist immer noch genug im Schrank. Das reicht eigentlich für mehrere Leben. ;)

      Liebe Grüße
      Sabine

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  4. Gute Entscheidung, noch ein paar Tage zu relaxen!

    Ein bisschen kann ich Dich verstehen.Im Urlaub komme ich auch immer mit so wenig Sachen aus, dass ich denke, dass ich noch weniger im Schrank bräuchte. Aber ich bin da schon nah am Minimum. Ich liebe es, Dinge aus dem Haus zu schaffen (mein Mann bekommt immer etwas Angst, wenn ich im Aussortierwahn bin) und ich liebe den Blick in übersichtliche Schränke.

    Schönen Sonntag wünscht Dir
    Ines

    P.S. Morgen schicke ich Dir meine Leserinnen.

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    1. Übersichtlich mag ich auch. Wenn ich gelegentlich mal Shopping Queen sehe, dann kommt mir manchmal das Grausen bei so einigen Kleiderschränken, die man da zu Gesicht bekommt. Da würde ich zuerst einmal ein paar blaue Müllsäcke holen und rigoros aussortieren. Die Damen finden sich aber erstaunlicherweise sehr gut in ihrem Chaos zurecht. Für mich ist das nichts, ich brauche Struktur.

      Lieben Gruß
      Sabine

      P. S. Darüber freue ich mich total. :) :) :)

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  5. Nach dieser Reise kann ich verstehen, dass Du den Alltag noch ein bisschen aufschieben möchtest.
    Dein Outfit ist sommerlich luftig und auch noch urlaubshaft.

    Liebe Grüße

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    1. Ja, das stimmt. Den Tag heute habe ich auch noch sehr genossen. Doch letztendlich kann und will man das ja auch gar nicht ändern. Ohne Alltag könnte man das Besondere nicht als solches wertschätzen.

      Lieben Gruß
      Sabine

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  6. Nach einer solchen, besonderen Reise einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen fühlt sich falsch an. Gute Entscheidung, da noch ein paar Tage anzuhängen, um wieder anzukommen und sich nicht gleich wieder ins Alltagschaos zu stürzen. Ich bin darin ganz schlecht, weil ich immer das Gefühl habe, auf Hochtouren laufen zu müssen...
    Die Situation vor dem Kleiderschrank, wenn einem nichts gefällt, kenne ich... In diesem Fall hilft aber auch shoppen nicht. Dann weiß ich, dass ich eine andere Baustelle habe, die ich schleunigst beackern sollte ;-)
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Genau so ist es, in diesem Zustand hilft kein Shoppen, sondern nur Nachdenken und Ergründen, wo der Hase eigentlich im Pfeffer liegt. Leider weiß ich das bereits, finde aber einfach keine Lösung.
      Da war die Woche nach der Tour auf jeden Fall noch nötig, um überhaupt ein wenig Struktur in das Gedankenchaos zu bringen.

      Liebe Grüße
      Sabine

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  7. Beautiful, delicate and soft look, I love it! The Camino de Santiago made you feel wonderful!

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    1. Thank you so much for your lovely words. :)

      Have a wonderful evening
      Sabine

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  8. Sei froh, dass Du noch ein paar Tage drangehängt hast. Den Schalter kann man nicht gleich wieder umkippen. Siehst auf jeden Fall entspannt aus. Die Bügelwäsche kann warten.

    Liebe Grüße Sabine

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    1. Bin ich auch, liebe Sabine... und die Bügelwäsche liegt immer noch. :(
      Aber es soll ja demnächst Gewitter geben, da werde ich sie in Angriff nehmen. ;)

      Lieben Gruß
      Sabine

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  9. Schön, dass Du wieder da bist liebe Sabine. Du siehst unglaublich toll aus und sehr gelassen. Bügelwäsche? Nebensache!

    Liebe Grüße
    Gabriele

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    1. Danke, liebe Gabriele... und... sie liegt immer noch *grins*

      Lieben Gruß
      Sabine

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